Alpenführer der Provinz Brescia

Das Valvestino-Tal besteht aus dem oberen Flussbecken des Toscolano-Bachs; dieser Gebietsteil steht unter österreichischer Oberherrschaft und hat die seltsame Eigenschaft, dass vor allem bei Schlechtwetter und wenn große Eile geboten ist, sowohl der Briefträger als auch die Gerichts- und Verwaltungsbeamten den Weg abkürzen und über italienisches Staatsgebiet gehen. Vom See aus gelangen Sie ins Tal, indem Sie über einen ziemlich unwegsamen Maultierpfad den Toscolano-Bach entlang hoch laufen. Dieser Pfad geht von Gaino aus und führt rund 500 m oberhalb der letzten Papierfabriken (zu denen man nur über Gaino gelangt), zum Bach hinunter. Der Weg verläuft fast zur Gänze durch ein enges, dicht bewachsenes Tal und bietet keine großartigen Aussichten. An der Grenze ist eine Kontrollstelle der Finanzbehörde – eine wahre Einsiedelei. Ein schöner Maultierpfad, wenn Sie zur Kontrollstelle der Finanzbehörde möchten, führt von Gaino über den Bergeinschnitt von Mezzane nach Navazzo. Von dort geht es um den Berg herum auf den Westhang des Avertil-Bergs und in die Dursina-Schlucht (701 m). Daraufhin führt der Weg ins Magno-Tal hinab und bei Ponte della Colla trifft er auf den Weg, der den Toscolano-Bach hoch führt. Das Tal besitzt zahlreiche Dörfer, die auf den Hochebenen verteilt sind, welche sich auf den umliegenden Bergen befinden (Magasa, Cadria, Turano, Moerna, Persone und Armo). Dazwischen sind die Berge zu steil zur Ansiedelung. Von Persone und Magasa erreicht man in drei-vier Stunden den Idro-See. Das Tal grenzt an das Gemeindegebiet von Hano an; westlich von Persone hingegen erhebt sich der Stino-Berg (1434 m), dessen Rückseite sich im Idro-See spiegelt. Von Magasa können Sie über den Tombea-Pass (1852 m) ins Ampolla-Tal laufen. Der Tombea-Pass liegt zwischen den Gipfeln des Guardia- und des Tombea-Bergs und ist der höchste Bergübergang des Valvestino-Tals. Von diesem Pass aus führt ein steiler, aber guter Weg ins Lorina-Tal hinunter und mündet auf der Straße in der Nähe von Casa d'Ampolla. Von Magasa können Sie auch die Bergwelt Bus de Balì erobern, wo Sie eine frische Quelle finden – eine kostbare Seltenheit in diesen trockenen Bergen. Östlich von der Ortschaft Cadria (ca. 800 m ü.d.M.) liegt der Puria-Pass (1372 m), der eine direkte Verbindung zwischen dem Valvestino-Tal und der Gemeinde Tremosine herstellt. Er führt ins gleichnamige Tal und von dort nach San Michele, von wo Sie über einen bequemen Weg in zwei Stunden Pieve di Tremosine erreichen. Südlich vom Puria-Pass liegt der Scarpapè-Pass (1244 m), der ins Tignale-Bach-Tal (Valle di Tignalga) auf dem Gemeindegebiet von Tignale führt (nicht mit dem San-Michele-Bach zu verwecheln: der Tignale-Bach ist ein Zufluss des San-Michele-Baches. Auf vielen Karten wird das Tal nämlich fälschlicherweise als Tignalga-Tal bezeichnet). Eine direkte Verbindung zwischen dem Valvestino-Tal und den Dörfern Tignale und Costa stellt der bequeme Paolone-Pass (962 m) dar, der zwischen dem Droanello-Tal und Costa liegt. Das Valvestino-Tal grenzt außerdem am Idro-See im Giudicarie-Tal an den Bondone-Berg an; diese Verbindung schafft der Bergeinschnitt Bocca di Val nördlich von Persone. Die höchsten Berge dieses Tals sind der Tombea (1965 m) und der direkt daneben gelegene Guardia (1969 m), der das Gemeindegebiet von Tremosine berührt. Von den Gipfeln dieser Berge aus genießen Sie ein einmaliges Panorama. Das Tal bringt hervorragendes Korn und ausgezeichnete Kartoffeln hervor, aber auch erstklassiges Holz, Obst und Kohle; zudem blüht hier die Almwirtschaft. Die Einheimischen sind fleißig und recht unternehmenslustig. Im Droane- oder Droanelle-Tal (linker Zufluss direkt auf der Gemeindegrenze), nimmt man an, dass dort, wo auf den Karten San Vigilio steht, einst ein Dorf war, dessen Einwohner der Pest zum Opfer gefallen sind. Tatsache ist, dass hier zahlreiche Spuren von Gebäuden zu finden sind sowie eine kleine Kirche, die dem Heiligen Vergil geweiht ist, der in dieser Gegend die christliche Lehre verbreitet haben soll.

Oberhalb von Gargnano finden wir Tignale und zwischen den beiden Gemeindegebieten erhebt sich die rundliche und waldbedeckte Kuppe des Berges Monte Denervo (1460 m), der zwischen dem Sernifà-Berg (1246 m) im Norden und dem Fobbia-Pass im Süden liegt; seine Ausläufer erstrecken sich über eine Reihe von weißlichen, brüchigen Felsterrassen, deren höchster Punkt der Comer-Gipfel (1281 m) ist (1) bis hinab zu den Olivenhainen von Gargnano. Dieser Berg teilt die Gebirgsgegend praktisch in zwei Zonen, und wenn Sie von Gargnano loswandern, haben Sie die Wahl zwischen zwei Zielrichtungen: über Costa ins Valvestino-Tal oder über Muslone in die Bergwelt von Tignale. Am Fuße des Südhangs, der sich vom urigen Gipfel des Comero-Bergs sanft bis zum See hinab erstreckt, liegen verschiedene größere und kleinere Dörfer: Gargnano, Villa, Bogliaco und Villavetro. Von hier aus führen mehrere Wege durch Olivenwälder hindurch und über rötliche Ruinen bis zu den Hügeldörfern hoch: nach Zuino (243 m), Navazzo (487 m), Formaga (587 m) und Sasso (534 m) (2). Von dort geht's dann weiter hinauf auf der einen Seite nach Razone und den Monte Comero, auf der anderen nach Costa. Der bequemste Weg nach Costa geht von Liano aus, über den gleichnamigen Bergeinschnitt im Nordwesten des Dorfes (744 m) und führt danach über die unwegsamen Berghänge parallel zu den Magno- und Costa-Tälern ans Ziel. Costa (756 m) liegt auf dem Südhang des Monte Pennino (1074 m), rund 100 m über dem Tal: Von hier führen zwei Wege ins Valvestino-Tal, einer davon macht einen Umweg über die Finanzkontrollstelle, wo er auf den Weg, der von Gaino kommt, stößt, während ein Dritter bis zum Paolone-Pass (962 m) hochführt, wo Sie eine Unterkunft für die Finanzbeamten finden. Hier nimmt ein weiter Weg seinen Ursprung, der zum Sägewerk im Droanello-Tal führt,


(1) Auf der Landkarte im Maßstab 1:75.000 ist dieser Abschnitt fehlerhaft: es ist nur Comaro eingezeichnet und nicht der Hauptgipfel Denervo.

(2) Das Gebiet mit den Bergdörfern von Gargnano wird von den Einheimischen als "Monte Gargnano" bezeichnet.


(sein Verlauf kennzeichnet eine gute Strecke lang die Staatsgrenze ) und direkt nach Cadria: Wenn Sie hingegen über den Südhang weiterwandern und dem Weg folgen, der oberhalb vom Costa-Tal entlangführt, erreichen Sie über den Paolone-Pass in knapp einer halben Stunde den Fobbia-Pass (915 m), der über einen akzeptablen Fahrweg nach Gardola führt.

Wir möchten darauf hinweisen, dass Sie – vom Paolone-Pass an der Wasserscheide zwischen dem Toscolano-Bach, dem Tignale- und dem Tremosine-Bach entlang bergan wandernd – folgende Pässe finden: den Ere-Pass, den Scarpapè-Pass und den Puria-Pass: von Paolone führt Sie ein Wanderweg zum Ere-Pass und von dort über den Westhang des Mughera-Bergs zu zwei weiteren Wegen, die in ihrem Verlaufe auch einige Abzweigungen haben, die ins Droanello-Tal hinabführen: direkt kommen Sie aber nur von Paolone und Puria nach Cadria; auf diese direkten Wege stoßen dann die Wanderwege von Scarpapé und Ere. Die Wanderung von Paolone zum Puria-Pass bietet Ihnen die schönsten und faszinierendsten Aussichtspunkte, die Sie sich vorstellen können. Wenn Sie vom Puria-Pass in die Bergwelt von Tremosine weiter wandern wollen, müssen Sie den Weg nehmen, der unter den Felsen von Büs de Balì hindurch und zum Lorina-Pass auf 1438 m führt; als Alternative können Sie bis nach San Michele hinablaufen.

Ab Liano und Sasso verlaufen einige Bergwege, die Sie in kurzer Zeit nach Razone (950 m) führen, wo sich die Villa Bettoni befindet; von hier aus laufen Sie weiter Richtung Nordosten bis zum Comer-Gipfel, wo Sie den Berg umrunden und auf dem anderen Hang weiterwandern; wenn Sie hingegen den Maultierpfad Richtung Norden nehmen, erreichen Sie von Razone auch den Lovere-Pass (1052 m), der Sie ins Costa-Tal bringt. Von diesem Übergang aus erreichen Sie die Denervo-Alm und den Denervo-Gipfel, der eine einmalige Aussicht bietet. Wenn Sie hingegen am Berghang entlang laufen, kommen Sie zum Vogelstand der Nagui-Alm und danach zum Fobbia-Pass (915 m). Vom Vogelstand von Nangoi (950 m) aus führt ein Weg nach Costa.

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